Weitergehende Aufbereitungsanlage im Wasserwerk Hengsen geht in Betrieb
16.07.2024
Um die Trinkwasserqualität zu sichern und auch in Zukunft in der Ruhr vorkommenden Spurenstoffen entgegenzuwirken, hat die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW) eine weitergehende Aufbereitungsanlage in Betrieb genommen.
Das Wasserwerk Hengsen der Wasserwerke Westfalen GmbH liefert Trinkwasser für ca. 300.000 Menschen in die Versorgungsgebiete Dortmund, Iserlohn, Schwerte und Holzwickede. Im Jahr 1908 erfolgte die erste Trinkwasserproduktion und seit 1937 wird Strom aus der aufgestauten Ruhr gewonnen. Nun wurde das Werk um eine weitergehende Aufbereitungsanlage ergänzt.
„Mit der Inbetriebnahme der „Weitergehenden Aufbereitungsanlage“ (WAA) im Wasserwerk Hengsen ist das vorletzte unserer Werke an die Anforderungen der Zukunft angepasst“, so WWW-Geschäftsführer Dr. Bernhard Klocke. „Über die bisherige Aufbereitungstechnik hinausgehende zusätzliche Reinigungsstufen schaffen ab jetzt auch im Wasserwerk Hengsen eine noch höhere Sicherheit gegenüber nicht vorhersehbaren mikrobiologischen oder chemischen Wasserinhaltsstoffen“, so Dr. Klocke weiter.
Investitionen in Höhe von rund 150 Mio. Euro
Bis 2026 wird Wasserwerke Westfalen zusammen mit ihren Gesellschaftern DEW21 und Gelsenwasser rund 150 Mio. Euro in die zusätzlichen technischen Verfahrensstufen und den hiermit verbundenen höchsten technischen Standard investieren. Die Errichtung der WAA setzt die Vorgaben des Programms “Reine Ruhr” des NRW-Umweltministeriums um und sichert den durchgehend sehr hohen Qualitätsstandard des bei WWW produzierten Trinkwassers. „Mit der Erstellung einer NRW-Wasserstrategie werden wir weitere Leitlinien zur Schadstoffminderung im Wasserkreislauf setzen. Die Anlage in Hengsen leistet heute schon einen wichtigen Vorsorgebeitrag für die Menschen an der Ruhr“, so NRW-Umweltminister Oliver Krischer bei der Eröffnung der Anlage.
Strategie der Wasserversorgung an der Ruhr
Das Wasserwerk Hengsen ist das vierte von insgesamt fünf WWW-Werken, die um eine weitergehende Wasseraufbereitung ergänzt werden. Nun sind nach Echthausen und Witten auch die beiden Schwerter Werke Hengsen und Westhofen für alle Eventualitäten gewappnet. Als letztes Werk wird das Wasserwerk Halingen planmäßig Anfang 2026 fertiggestellt. „Wir stärken die Resilienz der Trinkwasserversorgung auch in qualitativer Sicht mit der 35 Mio. € Investition in Hengsen“, betont WWW-Geschäftsführer Bernd Heinz. Mit Einbindung der örtlichen Wasserkraft und der integrierten Photovoltaikanlage wird die Anlage klimaschonend mit Strom versorgt.
Die weitergehenden Aufbereitungsstufen von WWW im Überblick:
- Ozonung: Ozon oxidiert auf umweltfreundliche Weise im Wasser gelöstes Eisen und Mangan und bricht persistente organische Verbindungen auf, die dadurch leichter abfiltrierbar sind.
- Flockung (bei Bedarf): Durch Zusatz von Flockungsmittel wird der überwiegende Teil der im Rohwasser enthal-tenen Trübstoffe gebunden und kann besser herausgefiltert werden.
- Mehrschichtfiltration: Das Wasser durchläuft zwei biologisch aktive Schichten von Filtermaterial, bestehend aus Aktivkoks und Quarzsand. So können Partikel bestmöglich abgeschieden und klares, trübstofffreies Wasser erzeugt werden. Zusätzlich werden Bakterien beseitigt, organische und anorganische Verbindungen wie Ammonium werden abgebaut.
- Adsorption an Korn-Aktivkohle: Mit Aktivkohlefiltern werden nicht bzw. nur schwer biologisch abbaubare organische Stoffe gebunden und aus dem Wasser entfernt, wie zum Beispiel Pflanzenschutzmittel oder Medikamentenrückstände.
Die Nachbereitungsschritte:
- Physikalische Entsäuerung: Statt wie bisher mit Natronlauge zu entsäuern, stellt WWW auf ein rein physikalisches Verfahren um. Das Wasser wird mit feinperliger Luft durchsetzt. Durch die Luftbläschen wird das im Wasser enthaltene Kohlendioxid ausgetrieben und der pH-Wert des Wassers bis zum Kalk-Kohlesäure-Gleichgewicht angehoben.
- UV-Desinfektion: Die Umstellung auf ein physikalisches Verfahren in der Desinfektion mittels UV-Licht ist bereits im Vorfeld in allen WWW-Wasserwerken geschehen. Die UV-Bestrahlung deaktiviert am Ende der Aufbereitung schnell und sicher eventuell noch im Wasser verbliebene einzelne Mikroorganismen. Dieses umweltfreundliche chemikalienfreie Desinfektionsverfahren machte das ehemals eingesetzte Desinfektionsmittel Chlordioxid überflüssig.
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